Wer sich beim Besuch Dresdens etwas mehr Zeit nimmt oder schon zum wiederholten Mal hierherkommt, für den gehört ein Ausflug zum nahe gelegenen Nationalpark Elbsandsteingebirge ganz sicher zum Programm. Neben dem Besuch der hübschen Kleinstadt Rathen und der Wanderung zur Bastei ist die Eroberung der berühmten Festung Königstein ein absolutes Muss.

Am besten kommen Sie dorthin mit der S-Bahn S1, die Sie im 30 Minuten Takt komfortabel durch das schöne Elbtal fährt. Vom Haltepunkt Pieschen sind Sie in etwa 50 Minuten in Königstein, wo hoch über der Stadt die mächtigen Festungsmauern von 1233 thronen. Ihr Tages- oder Wochenticket für die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt Dresden können Sie gleich benutzen. Sie brauchen Sie nur zwei Tarifzonen dazu buchen.

Aus dem Meer der Kreidezeit gehoben und durch Erosion geformt, zählt das Elbsandsteingebirge zu den bizarrsten aber auch schönsten Landschaften Europas. Tief zerklüftete Felsmassive, hohe freistehende Felstürme, die den Bergsteigern als Kletterziel dienen, romantische Schluchten, Wasserfälle, Grotten und Felsentore, Burgen, Schlösser und Europas größte Bergfestung prägen dieses Kleinod der Natur. Gemütliche Wanderwege, anspruchsvolle Klettersteige und Panoramawege bilden ein abenteuerliches und abwechslungsreiches Bild für Wanderer.

In Königstein angekommen bringt Sie in den Sommermonaten ganz bequem die Besucherbahn vom Marktplatz bis zum Festungseingang. Wer jedoch etwas Kondition und Ehrgeiz hat, der sollte sich den wunderschönen 45 Minuten Aufstieg entlang des Malerwegs keineswegs entgehen lassen. Der Weg westlich der Festung hinter der Kirche beginnend eröffnet nach einigen uralten mit Holz gestützten Stufen unglaubliche Blicke über das Elbtal.

Steht man unmittelbar vor den mächtigen Mauern wird einem klar, warum diese Festung nie erobert wurde. 1589 befahl Kurfürst Christian I. den Ausbau der Burg zur Landesfestung, die in folgenden Jahrhunderten immer wieder auf den neuesten Stand gebracht wurde, so dass es kein Feind wagte, die Festung anzugreifen. Auf Grund der militärischen Uneinnehmbarkeit des Königsteins suchten die sächsischen Landesherren in unruhigen Zeiten hinter den dicken Mauern Zuflucht und bewahrten hier Kunstschätze und den Staatsschatz auf. Aber auch viele Gefangene, u.a. Johann Friedrich Böttger, Miterfinder des europäischen Porzellans oder der Sozialdemokrat August Bebel mussten hier hinter dicken Mauern darben. Wegen seiner landschaftlich reizvollen Lage war der Königstein nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel des sächsischen Hofes, auch Napoleon Bonaparte kam zweimal auf die Burg und lies sich von glanzvollen Festen berauschen.

Neben der Besichtigung der Festungsanlagen inklusive Zeughäuser, Munitionslager, Schatz- Getreidekammer, Regenzisterne oder Exerzierplatz eröffnet ein Rundgang auf der langen Festungsmauer einen wirklich beeindruckenden Ausblick in die weite Ferne über das Elbtal und das gesamte Gebirge. Auch der Blick tief in den Felsen unter der Festung fasziniert, wenn man sich im Brunnenhaus über den mit 152,5 Metern tiefste Brunnen in Sachsen beugt. Auf Befehl des Kurfürsten August wurde dieser Schacht 1563 unter der Leitung des Freiberger Bergmeisters Martin Planer Stück für Stück in den Felsen getrieben.

Stärkung und kulinarische Freuden bieten mehrere gastronomische Einrichtungen auf der Festung. In den beiden Selbstbedienungsrestaurants Offizierskasino und Musketier gibt es schmackhafte regionale Küche zu akzeptablen Preisen. Zum Erlebnisrestaurant Kasematten müssen Sie in das ausgedehnte Gewölbelabyrinth hinabsteigen. Früher diente es als Soldatenunterkunft, Gefängnis, Pulvermagazin und zur Aufbewahrung des Staatsschatzes. Dort wo Napoleon einst strategisch in die Ferne blickte, befindet sich ein Biergarten mit wirklichem Panoramablick. Das frische Brot und den duftenden Kuchen aus den Restaurants können Sie sich auch als Wegzehrung in der Festungsbäckerei einpacken lassen.

Auf dem Rückweg an der Ostseite geht es etwas gemütlicher nach unten über die mit Sandstein gepflasterte alte Festungsauffahrt. Am Marktplatz von Königstein lassen Sie, bevor es zurück nach Dresden geht, im beliebten Kaffeehaus Zimmermann getrost noch ein oder zwei S-Bahn vorbeiziehen. Die Chefin selbst serviert Ihnen köstlichen Kuchen mit leckeren Kaffeespezialitäten und erzählt Ihnen dabei charmant allerlei Wissenswertes über die Gegend.

Autor: Frank Walther

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