Bekannte Orte plötzlich in einer anderen Zeit zu sehen, ist immer spannend. Bei Dresden ist es  besonders reizvoll, da sich die Stadt durch ihre starken Herrscher, kreativen Baumeister, Feuer und Kriege schon mehrfach erheblich verändert hat. Hier macht es außerordentlich viel Spaß, Parallelen und Veränderungen zwischen den Zeiten zu entdecken und die menschliche Schöpferkraft zu spüren.

Yadegar Asisi mit seinen berühmten 360° Panoramabildern weiß um diese Faszination. Seit vielen Jahren sind im alten Gasometer in der Gasanstaltstraße in Dresden Reick seine unglaublich echt aussehenden Wandbilder zu erleben. Bisher konnte man so einen Tag in Dresden zur Barockzeit hautnah miterleben und vom Turm der katholischen Hofkirche das bunte Treiben in der Stadt beobachten. So viel kleiner, grüner und gemütlicher war die Stadt damals. Überwältigend zu sehen, was sich seit dem verändert hat aber auch, wie ganze Straßenzüge über die Jahrhunderte erhalten geblieben sind.

Passend zum 70. Jahrestag der Zerstörung Dresdens durch den Bombenangriff im zweiten Weltkrieg ist noch bis Ende April 2015 nun das krasse Gegenteil zu sehen. Eine lebendige pulsierende Großstadt auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung liegt in Schutt und Asche. Da wo in eng bebauten Straßen tausende Menschen lebten, stehen jetzt skurrile Mauerreste und ausgebrannte Häuser umgeben von riesigen Trümmerhaufen. Eine übrig gebliebene Straßenbahn und ein kaputter Laster können nicht mehr fahren. Trotz allem, traurig zu sehen, wieviel eigentlich hätte doch wieder aufgebaut werden können, aber dem radikalen Neuanfang und anderen Prinzipien zum Opfer viel.

Um Dresden richtig kennen zulernen, sollten Sie sich dieses faszinierende Erlebnis nicht entgehen lassen. Das Panometer liegt etwa 5 km vom Zentrum entfernt. Die Buslinie 64 bringt Sie an der Haltestelle Nätherstraße direkt dorthin und mit der S-Bahn sind es vom Haltepunkt Dresden-Reick nur fünf Minuten zu Fuß.

Frank Walther, 14. Mai 2015