Die Entstehung der heutigen Villa Barbara ist eng verbunden mit der Industriegeschichte in Dresden-Pieschen in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Für den Bau der ersten deutschen Fernbahnlinie von Leipzig nach Dresden im Jahre 1835 wurden die Felder der ohnehin nicht wohlhabenden Bauern und Kleinbürger von Pieschen rigoros durchschnitten. Die Eisenbahn, die fortan noch ebenerdig durch Äcker und Wiesen stiebte, läutete die industrielle Entwicklung in Dresden ein. Weitsichtige sahen die feine Residenz, das Florenz des Nordens, in einem Meer aus Rauch und Ruß versinken. Worauf Dresden 1878 als erste deutsche Stadt festlegte, wo zukünftig Fabriken gebaut werden durften und wo nie mehr.

Am 5. Februar 1878 erließ die Gemeinde Pieschen ein Ortsgesetz, wonach neue Fabrikbauten in dem Gebiet  zwischen Eisenbahn und Großenhainer Straße konzentriert werden sollten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab  es  fast nichts, was um und in Pieschen nicht produziert werden konnte. Zu den großen Unternehmen gehörten u.a. die Steingutfabrik Villeroy & Boch, die Küchengeräte der Eschebach Werke, Deutschlands größte Waffelfabrik der Gebrüder Hörmann und Europas älteste Näh- und Schreibmaschinenfabrik von Clemens Müller.

Am 15. April 1893 stellen ihrerseits die Gebrüder Clemens und Ernst Köckritz aus Radeberg einen Bauantrag zum Bau eines Fabrikgebäudes und einer Villa auf der neu entstandenen Barbarastraße 41, die ihren Namen nach der Schutzpatronin der Berg- und Hüttenleute und der Artilleristen erhielt. Sie verlegten Ihre Strohhutfabrik aus Radeberg nach Dresden und gründeten 1896 die Filz- und Strohhutfabrik Gebr. Köckritz.

Ab 1935 werden im Adressbuch der Stadt Dresden mehrere Mieter in den Eingängen 41 b, c und d aufgeführt. Ein Zeichen dafür, dass die Gebrüder ihr Unternehmen aufgaben und im Fabrikgebäude Wohnungen einbauten, die bis heute nach verschiedenen Renovierungsmaßnahmen noch so erhalten geblieben sind. Die Gebrüder Köckritz sind jedoch weiterhin Besitzer und wohnen in der Villa.

Zu DDR Zeiten wird die Fabrikanten-Villa dann typischerweise als Betriebskindergarten des nebenan gelegenen ehemaligen VEB Nähmaschinenteilewerks genutzt. 500 Mitarbeiter produzierten hier bis zur Wiedervereinigung sehr erfolgreich und gewinnbringend u.a. das Bauteil Schiffchen vorrangig für das nicht-sozialistische Ausland aber auch die Sowjetunion. Nach der Wende wurde das Werk vom westdeutschen Konkurrenten Pfaff übernommen und dicht gemacht.

Bei der grundhaften Sanierung der Villa ab 1990 werden nun Büroräume eingerichtet. Nach der Renovierung im Jahr 2012 hat die Villa jetzt wieder ihren ursprünglichen Sinn als Wohnhaus wiedererlangt, jedoch nun mit insgesamt sechs Wohneinheiten einschließlich ausgebautem Dachgeschoss.

Heute sind die rauchenden Fabriken längst aus Pieschen verschwunden. Die Kultur- und Landeshauptstadt Dresden hat sich zu einem modernen Dienstleistungs-, Universitäts- und Forschungsstandort mit einem Schwerpunkt auf der IT- und Halbleiterindustrie entwickelt. Pieschen ist dabei zu einem beliebten Wohngebiet geworden besonders wegen seiner gut erhaltenen charmanten Gründerzeithäuser und der sehr guten Verkehrsanbindung und der Nähe zur Elbe. Die noch bestehenden Fabrikgebäude beherbergen heute Büros oder wurden zu attraktiven Wohnungen umgebaut.

Bild: Stadtarchiv Dresden